Wechseljahre unter 40

Klimakterium praecox – vorzeitig in die Wechseljahre

Die Wechseljahre sind ein natürlicher hormoneller Umstellungsprozess im Leben jeder Frau. Auch wenn es für die Menopause, die letzte Regelblutung, keinen festen Termin gibt, ist es normal, dass die Eierstöcke ab einem bestimmten Alter weniger von den weiblichen Sexualhormonen Östrogen und Progesteron produzieren und die Wechseljahre ab diesem Zeitpunkt allmählich beginnen. Im Durchschnitt erlebt die Frau ihre Wechseljahre zwischen ihrem 45. Und 55. Lebensjahr. Bei einigen Frauen zeigen sich die ersten Symptome und Beschwerden der Wechseljahre aber bereits ab Mitte 30. Dann ist die Rede von frühen oder vorzeitigen Wechseljahren. Medizinisch wird dieser Vorgang als „Klimakterium praecox“ oder auch vorzeitige Ovarialinsuffizienz (engl. Premature Ovarian Failure, POF) bezeichnet.

Ursachen für die Wechseljahre

Hormonell und in Hinsicht auf die Beschwerden unterscheiden sich die vorzeitigen Wechseljahre der Frau nicht von denen nach dem 40. Lebensjahr. Der Eintritt in die Wechseljahre – ob vorzeitig oder nicht – ist schleichend. Die Ursache für das Klimakterium praecox ist die vorzeitige Erschöpfung der Eierstockfunktion. Das bedeutet, dass die Eierstöcke ihre Arbeit verlangsamen und schließlich die Produktion der weiblichen Hormone ganz einstellen. Vor den Wechseljahren bilden die Eierstöcke während des Menstruationszyklus das Hormon Östrogen, welches unter anderem für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut sorgt. Direkt nach dem Eisprung wird das Gelbkörperhormon Progesteron gebildet. Gemeinsam steuern die beiden Sexualhormone den Zyklus über fein abgestimmte Regelkreise.

Ab einem bestimmten Alter reifen im Körper der Frau immer weniger Eibläschen heran und die Menstruationszyklen verlaufen in zunehmender Häufigkeit ohne Eisprung. Da nun ohne den Eisprung kein Gelbkörper mehr im Eierstock entsteht, sinkt die Produktion des Gelbkörperhormons und somit auch die der Progesteronkonzentration. Da zu diesem Zeitpunkt noch ausreichend Östrogene gebildet werden, wird die Gebärmutterschleimhaut weiterhin versorgt und die Monatsblutungen finden wie gewohnt statt. Diese Phase nennt sich Prämenopause; der Zeitraum vor der letzten Periode. Zunehmend schwankt auch die Produktion der Östrogene bis sie schließlich zum Erliegen kommt. Durch das daraus resultierende Ungleichgewicht zwischen den Sexualhormonen kann es bei der Frau zu unregelmäßigen Zyklen, unterschiedlich starken Blutungen sowie weiteren Wechseljahresbeschwerden kommen. Hat die letzte ovariell gesteuerte Blutung, die Menopause, stattgefunden, beginnt die Postmenopause.

Mögliche Faktoren vorzeitiger Wechseljahre

Es gibt Frauen, die von Geburt an über eine geringere Anzahl an Eizellen verfügen als andere. Dementsprechend sind ihre Eizellen verfrüht aufgebraucht und die Wechseljahre setzen ein. Es gibt einige andere Ursachen, welche die vorzeitigen Wechseljahre bei Frauen bedingen können. Dazu zählen unter anderem bestimmte Autoimmunerkrankungen, Viruserkrankungen wie zum Beispiel Mumps oder bestimmte Stoffwechselstörungen. In manchen Familien tritt das Klimakterium praecox gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente schließen lässt. Doch auch individuelle Einflüsse wirken sich auf den weiblichen Körper aus. Bestrahlungen, Chemotherapien oder gar die chirurgische Entfernung der Gebärmutter, eine Hysterektomie, induzieren zwar nicht das Klimakterium praecox, sie können jedoch von Fall zu Fall eine verfrühte Menopause und Beschwerden der Wechseljahre nach sich ziehen. Zur individuellen Abklärung sollte sich jede Frau bei den ersten Anzeichen für vorzeitige Wechseljahre an ihren Arzt oder Gynäkologen wenden.

 

Symptome und erste Anzeichen

Die Symptome der vorzeitigen Wechseljahre sind vielfältig und nicht bei jeder Frau gleich ausgeprägt. Mit dem Ende der fruchtbaren Phase können Beschwerden wie Hitzewallungen, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Scheidentrockenheit und damit einhergehende sexuelle Probleme auftreten. Oftmals wird die Haut trockener und verliert an Elastizität. Die hormonelle Umstellung begünstigt außerdem die Entstehung einer Osteoporose. Vor allem Frauen mit familiärer Disposition leiden häufiger unter  einer Abnahme der Knochendichte in Folge der Wechseljahre. Die vorzeitigen Wechseljahre unterscheiden sich in ihren Symptomen nicht von denen, die nach dem vierzigsten Lebensjahr eintreten. In beiden Fällen empfiehlt sich eine eindeutige Diagnose.

Diagnose

Bei auftretenden Symptomen sollten sich vor allem betroffene Frauen unter vierzig an ihren Frauenarzt wenden. Die Symptome, die mit der hormonellen Umstellung des Körpers einhergehen, können durch äußere Bedingungen wie Stress und Belastung verstärkt werden. Daher ist es sinnvoll, wenn der Arzt im Rahmen einer Anamnese neben der gesundheitlichen Vorgeschichte wie familiäre Erkrankungen oder medizinische Eingriffe auch die individuellen Lebensumstände berücksichtigt. Außerdem wird anhand einer gynäkologischen Untersuchung und der Bestimmung des Hormonspiegels im Blut festgestellt, ob tatsächlich ein vorzeitiger Eintritt in die Wechseljahre vorliegt. 

Behandlungsmöglichkeiten und Risiken

Der Mangel an bestimmten Hormonen kann ernste Folgen haben. So wirkt sich beispielsweise der Mangel an Östrogenen negativ auf den weiblichen Körper aus. Östrogene stärken die Knochen, haben Einfluss auf Haut und Haare und wirken auf den Zucker- und Fettstoffwechsel ein. In der Folge der vorzeitigen Wechseljahre bringt der niedrige Östrogenspiegel die Gefahr einer Osteoporose mit sich. Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie neurologische und psychiatrische Erkrankungen wie die Einschränkung von kognitiven Fähigkeiten und Gedächtnisleistungen oder Depressionen. Vor allem bei vulnerablen Frauen kann die hormonelle Veränderung depressive Störungen und Psychosen  verstärken. Die Möglichkeit der Vorbeugung gibt es leider nicht. Dennoch kann das individuelle Risiko frühzeitig in die Wechseljahre zu kommen, in begrenztem Maße gesenkt werden: Durch die fachgerechte ärztliche und vor allem ganzheitliche Behandlung von chronischen und psychischen Erkrankungen sowie die Vermeidung beziehungsweise Verringerung von Risikofaktoren.

Umbruch als Neuanfang

Die Wechseljahre stehen für Veränderungen. Klimakterische Beschwerden und ihre Nachwirkungen wie innere Unruhe oder depressive Verstimmungen veranlassen Betroffene oftmals dazu, sich Hilfe zu suchen und Neues auszuprobieren. Im Rahmen einer Therapie, mit Entspannungsübungen oder Sport können Frauen wieder zu sich finden und gleichzeitig neue Seiten an sich entdecken. So kann die frühe Menopause im besten Fall dazu führen, dass sich Frauen selbstbewusster und entspannter fühlen, nachdem sie diese Phase durchlebt haben. Mit Tipps für mehr Selbstvertrauen wird der Neuanfang zusätzlich erleichtert.

 

 

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